Politik

Ist es mittlerweile zu teuer auf Arbeit zu fahren?

Rein und raus aus dem Kreis Sömmerda: 22.400 Beschäftigte pendeln. Können die sich sich das noch leisten? Gewerkschaft fordert Mobilitätsgeld für Pendler.

Sömmerda. Viele fahren rein, viele aber auch raus: 8.720 Beschäftigte kommen in den Landkreis Sömmerda, um hier zu arbeiten. Und umgekehrt wohnen 13.670 Menschen im Landkreis Sömmerda, haben ihren Job aber woanders. Das geht aus der aktuellen Pendler-Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor. Die Zahlen der Ein- und Auspendler, die über die Kreisgrenze fahren müssen, um zur Arbeit zu kommen, greift jetzt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten auf. Für die NGG Thüringen sind längere Arbeitswege ein „Co-Faktor beim Job, der Zeit, oft Nerven und vor allem auch Geld kostet“.

Die Gewerkschaft warnt: „Hohe Spritpreise belasten viele Privathaushalte im Kreis Sömmerda. Dabei reißen gerade auch die Fahrten zum Arbeitsplatz Löcher in die Haushaltskassen. Vor allem dann, wenn Berufspendler dabei aufs Auto angewiesen sind. Geringverdiener trifft das besonders hart. Erst recht, wenn sie nur den Mindestlohn verdienen“, sagt Jens Löbel. Der Geschäftsführer der NGG Thüringen spricht sich deshalb für ein „Mobilitätsgeld“ aus: 17 Cent je Kilometer sollen, so die Gewerkschaft, jedem Pendler sofort und unabhängig von der Höhe des Einkommens einheitlich vom Staat ausgezahlt oder beim monatlichen Lohnsteuerabzug verrechnet werden.
„Solange das Mobilitätsgeld noch auf sich warten lässt und die Spritpreise nicht wieder deutlich fallen, muss ein Wegegeld-Zuschuss für Job-Pendler Thema in den Betrieben sein. Viele fahren eine Dreiviertelstunde, manche sogar eine Stunde oder länger“, so Jens Löbel. Er kündigt an, die Betriebe im Kreis Sömmerda bei Fahrtkosten stärker in die Pflicht nehmen zu wollen: „Das fängt bei den 63 Euro pro Monat fürs Deutschland-Ticket an. Und das geht über ein konkretes Wegegeld bis zum günstigen oder freien ‚Stromtanken‘ an der Ladesäule für E-Autos auf dem Firmengelände“, so Löbel. Die Gewerkschaft werde die Kosten für Mobilität künftig stärker bei Tarifverhandlungen zum Thema machen.

In Hinblick auf die geplante Änderung des Arbeitszeitgesetzes hebt der Geschäftsführer der NGG Thüringen besonders einen Punkt hervor: „Wenn der 8-Stunden-Tag wirklich aufgeweicht werden sollte und wir bald bis zu 13 Stunden arbeiten, dann wird das Pendeln noch mehr zum Problem. Das wird nämlich brandgefährlich. Denn das Unfallrisiko steigt erwiesenermaßen enorm nach 8 Stunden Arbeit, und damit auch das Wegeunfall-Risiko.“ Er appelliert daher eindringlich, die „Finger vom 8-Stunden-Tag zu lassen“.

Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)

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