Land und Leute

Drückeberger-Firmen im Landkreis Sömmerda

Viele der 1.600 Unternehmen im Kreis Sömmerda drücken sich vor Inflationsprämie. Gewerkschaft beklagt: „Immer weniger Power in der Lohntüte“ und kündigt ein Frühjahr mit harten Runden für's Lohn-Update an.

Sömmerda. Gegen den „Rutsch-Effekt“ beim Euro in der Lohntüte: Rund 1.600 Unternehmen gibt es nach Angaben der Arbeitsagentur im Landkreis Sömmerda. „Ein Großteil davon drückt sich davor, ihre Beschäftigten in der Krise zu unterstützen: Extra-Geld gegen die Löcher, die die Inflation ins Portemonnaie reißt? – Fehlanzeige. Viele Chefs im Kreis Sömmerda machen um die Inflationsausgleichsprämie einen großen Bogen. Und das geht quer durch alle Branchen: von Bäckereien über Hotels bis zu Lebensmittelbetrieben“, sagt Jens Löbel von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Dabei sei die Prämie ein Instrument, das die Bundesregierung extra geschaffen habe, um die Härte der Krise abzufedern – und kein Lohnersatz.

Für alle Beschäftigten im Kreis Sömmerda, die bislang leer ausgegangen seien, werde es höchste Zeit, einen „Inflationspuffer“ zu bekommen. Es gehe schließlich darum, den „Schwund bei der Kaufkraft wenigstens ein Stück weit aufzufangen“. Immerhin habe die Inflation auch im Januar mit einer Teuerungsrate von 8,7 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat im Vorjahr für eine spürbare Belastung der privaten Haushaltskassen geführt. „Die Auswirkungen der Inflation sind enorm. Monat für Monat hält die Lohntüte weniger für die Beschäftigten bereit“, so Jens Löbel.

Die NGG fordert Unternehmen im Kreis Sömmerda auf, sich „nicht vor der Inflationsausgleichsprämie zu drücken“: „Die Prämie von bis zu 3.000 Euro sollte genutzt werden. Sie kann auch in Etappen ausgezahlt werden. Wer noch keine Inflationsprämie bekommen hat, sollte beim Chef anklopfen. Ideal ist es natürlich, wenn ein Betriebsrat das erledigt“, so der Geschäftsführer der NGG-Region Thüringen, Jens Löbel.
Es gehe dabei immerhin um effektive Einmalzahlungen, bei denen der Staat nicht mehr die Hand aufhalte: Für die Inflationsausgleichsprämie werden keine Steuern und Abgaben fällig – also keine Lohnsteuer, keine Abzüge für die Renten-, Kranken-, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung.

Wichtig sei, dass es sich bei der Inflationsausgleichsprämie nicht um einen Ersatzlohn handele: „Für den fairen Lohn setzen sich die Gewerkschaften in Tarifrunden ein. Die Prämie ist eine Art finanzielles ‚Inflations-Pflaster‘, nicht mehr, aber auch nicht weniger“, sagt Jens Löbel.

Der Gewerkschafter kündigte Lohnforderungen von „10 plus X“ Prozent an. Azubis müssten mindestens 150 Euro mehr pro Monat bekommen. Dafür werde sich die Gewerkschaft NGG in den kommenden Wochen am Tariftisch einsetzen: „In der Süßwaren-Industrie stehen Lohnverhandlungen bevor. Ebenso in der Brot- und Milchindustrie. Auch für die Beschäftigten in Brauereien wird es um ein kräftiges ‚Lohn-Update‘ gehen“, so Löbel. Von Brandt und Stollwerck über Griesson, Grabower und Gutena bis Storck – die NGG Thüringen habe „große Namen auf der Liste der Lebensmittelbetriebe“ und stelle sich auf „ein Frühjahr mit zähem Ringen am Tariftisch“ ein.

Beschäftigte, die Unterstützung bei der Inflationsausgleichsprämie benötigen oder mehr zu den bevorstehenden Tarifrunden erfahren wollen, können sich an die NGG Thüringen wenden: (0361) 66 64 40 | region.thueringen@ngg.net.

NGG

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