Politik

Schwarze Schafe auf dem Bau

Kontrollen vom Hauptzollamt Erfurt auf dem Bau: 320 Ermittlungsverfahren im 1. Halbjahr 2022. Die IG BAU fordert mehr Kontrollen.

Erfurt. Schwarze Schafe auf dem Bau: Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat kriminelle Praktiken auf Baustellen beklagt. So habe das Hauptzollamt Erfurt, das auch für den Landkreis Sömmerda zuständig ist, allein im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres in der Region insgesamt 320 Ermittlungsverfahren im Baugewerbe eingeleitet. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) deckte bei ihren Kontrollen vor allem illegale Beschäftigung, Sozialbetrug und Mindestlohnverstöße auf. Insgesamt habe die vom Erfurter Zoll ermittelte Schadenssumme durch nicht gezahlte Steuern und Sozialabgaben auf dem Bau rund 4,3 Millionen Euro betragen, so die IG BAU Erfurt. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres leitete das Hauptzollamt Erfurt 378 Ermittlungsverfahren auf dem Bau ein. Die Baugewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen, die das Bundesfinanzministerium auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Bernhard Daldrup (SPD) zur Kontroll-Bilanz des Zolls auf dem Bau mitgeteilt hat.
„Die hohe Zahl der Ermittlungsverfahren zeigt, dass kriminelle Methoden auf dem Bau auch in unserer Region zum Alltag gehören. Die tatsächlich aufgedeckten Verstöße sind nur die Spitze des Eisbergs“, so der Bezirksvorsitzende der IG BAU Erfurt, Ralf Eckardt. Neben den vielen „sauber arbeitenden Unternehmen“ gäbe es noch immer unseriöse Firmen, für die Lohndumping und illegale Beschäftigung bei Bauaufträgen zum Geschäftsmodell gehörten. Und Eckardt warnt vor einer weiteren Zunahme illegaler Machenschaften: „Die hohe Inflation, steigende Bauzinsen, hohe Material- und Energiekosten – alles führt zu einem wachsenden Kostendruck auf dem Bau. Unseriöse Chefs werden deshalb jetzt erst recht versuchen, ihre Kosten durch Lohndumping zu senken. Und sie werden sich noch mehr Tricksereien einfallen lassen, um Steuern und Sozialabgaben zu hinterziehen. Dadurch geraten Arbeitgeber, die sich an den Bau-Tarifvertrag halten, weiter unter Druck.

Vor diesem Hintergrund fordert der IG BAU Bezirksverband Erfurt deutlich mehr Kontrollen und eine stärkere Präsenz des Zolls auf den Baustellen. „Auch im Kreis Sömmerda wollen wir ‚saubere Baustellen‘. Der Staat muss sicherstellen, dass kriminelle Praktiken auf Baustellen keine Chance mehr haben.“ Zudem müssten auffällig gewordene Firmen von der öffentlichen Auftragsvergabe ausgeschlossen werden. „Wir brauchen ein ‚Sündenregister für Schwarzarbeit‘ – eine öffentliche Kartei, in der die Betriebe aufgelistet werden, deren Geschäftsmodell auf illegaler Beschäftigung und Lohnprellerei beruht“, so Eckardt.

IG BAU

Kommentare

Kommentieren
Im Moment sind keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten!

Beliebte Artikel

Zur Leseliste hinzufügen
Spatenstich für Glasfaserausbau in Kölleda erfolgt

Spatenstich für Glasfaserausbau in Kölleda erfolgt

Kölleda Mit einem symbolischen Spatenstich ist am 30. Juni der Ausbau des Glasfasernetzes in Kölleda offiziell gestartet. Das müssen Sie wissen.

Zur Leseliste hinzufügen

Häuslicher Streit ruft Spezialkräfte auf den Plan

Riethnordhausen Einsatz in Riethnordhausen

Zur Leseliste hinzufügen

Zusammenstoß mit Motorradfahrer

Gebesee Zeugenaufruf nach Verkehrsunfall

Zur Leseliste hinzufügen

Bäume stürzen auf Autos

Sömmerda in der Albert-Schweizer-Straße

Beliebt

Neueste Artikel

Zur Leseliste hinzufügen
vor einem Tag

Ladendetektiv und Mitarbeiter

Sömmerda bei räuberischem Diebstahl verletzt

Zur Leseliste hinzufügen
vor einem Tag

Wildunfall bei Buttstädt

Buttstädt Fahrer bleibt unverletzt

Zur Leseliste hinzufügen
vor 2 Tagen

Einbrüche in Kleingartenanlage

Weißensee in Weißensee

Zur Leseliste hinzufügen
vor 2 Tagen

Peugeot-Fahrer unter Drogeneinfluss erwischt

Sömmerda in Sömmerda